Ein letzter Sommer

Fähigkeit: Gestaltung der inneren Umwelt

Manchmal ist es schwierig Allgemeinplätze so erfahrbar zu machen, dass sie auch eine Rolle in unserem Leben spielen. Dass wir durch unsere Erziehung und Schule geprägt sind, ist ein Allgemeinplatz. Ebenfalls nüchtern bleibt die Feststellung, dass es in Deutschland für Menschen, welche durch eine sozial schwache Umwelt geprägt werden, so schwierig ist wie fast in keinem anderen westlichen Land, eine gesellschaftliche Position zu erreichen, welche ihren Talenten und Fleiß angemessen wäre. Die Einzelbeispiele derjenigen, die es geschafft haben (Gerhard Schröder…) verdecken die tatsächlichen Zahlen.

Der Einstieg in den Roman Ein letzter Sommer von Steve Tesich macht das Abstrakte fühlbar. Price hat seinen letzten Kampf als Ringer für seine High-School. Er steht im Finale. Er ist ist seinem Gegner überlegen. Er weiß, dass dieser nur einen Griff beherrscht vor dem er sich hüten muss. In der Vorbereitung hat er dies wieder und wieder geübt. Doch dann tut er genau das, was ihn verwundbar macht. Er wagt zuviel und verliert den Kampf.

Soweit noch nichts Außergewöhnliches. Bedeutung gewinnt dieses Erlebnis durch die Sätze: “Ich schämte mich dafür, dass ich versucht hatte, ihn zu schlagen. Ich sah weg und atmete aus, und im selben Augenblick verließ mich die Widerstandskraft. Ich sank in die Niederlage wie in den mir angemessenen Platz.”

Im weiteren Verlauf des Buches erfahrenen wir dann, wie insbesondere der Vater Price geprägt und nicht mit dem gelassenen Selbstwert ausgestattet hat, den Price gebraucht hätte. Sieg oder Niederlage ist nebensächlich. Der Kampf ist Sinnbild des Verhaftet-Seins in Gedankenmustern. Die Tragik ist, dass Price unschuldig für deren Bestand ist und noch zu jung, um sich aus diesen zu emanzipieren. Sein “angemessener Platz” ist ein ganz anderer. Sein Weg beginnt, mit und nach diesem letzten Sommer.

(Das erste Kapitel ist sogar Online verfügbar: http://www.ullsteinbuchverlage.de/media/9783548606781.pdf)

Persönliches Wachstum geht immer durch Angst und manchmal auch Schmerz hindurch. Price kann aus der Niederlage das Gute ziehen und sich zum Herr seiner Glaubenssätze machen. Das ist enorm schwierig. Etwa so als ob eine Fremdsprache gelernt werden muss. Die automatisierte, gewohnte (Selbst-) Kommunikation muss komplett neu gelernt werden. Nur mit regelmäßigem Praktizieren wird es zur Gewohnheit. Einige Freunde werden sich freuen, endlich auch in dieser Sprache mit einem sprechen zu können, andere verstehen “nur Bahnhof” und wenden sich ab. Mit Glück (und Begeisterung) erlangt man Sicherheit und Geborgenheit in der Sprache. Je später man anfängt, desto schwieriger wird das akzentfreie Sprechen. Da schließt sich der Kreis zu unseren Glaubenssätzen: Gewohnheiten sind schwer zu ändern.

Es gibt viele individuelle Wege dies zu tun; Biografien erzählen davon.

Die gg2-Akademie möchte Wege aufzeigen, Fähigkeiten zu erlernen, seinen angemessenen Platz selber zu bestimmen.

In Bezug auf Glaubenssätze gibt es zum Beispiel das Buch von Stavemann  Im Gefühlsdschungel: Emotionale Krisen verstehen und bewältigen.Es stellt eine Methodik zum Aufspüren und Ändern von Glaubenssätzen dar. Es ist allerdings eher rational, fast mathematisch.

Ein zweiter Weg ist ein Rat, welcher mir einmal gegeben wurde, als ich vor einer schwierigen Situation stand.

— Stell Dir die Person vor, welche Du sein möchtest.

— Dann frage Dich, wie sie handeln würde.

— Handle danach.