Forum Kultus-Parlament

Diese Seite geht auf inhaltliche Kommentare zu meinem Radio-Beitrag auf Deutschland Radio-Kultur vom 17.4.2012 ein.

http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/politischesfeuilleton/1731175/

 

Vorbemerkung

Zunächst eine Abgrenzung

Bei der gg2-Akademie geht es darum, Wissen und Fähigkeiten zu vermitteln. Fähigkeiten zur Entschiedenheit und Liebe. Ein Fitnesstraining für die Seele; miteinander und auf Augenhöhe. Ziel ist die Selbst-Verantwortung und damit die Entfaltung der Persönlichkeit, wie sie im Artikel 2 I Grundgesetz ermöglicht und gewollt ist. Die gg2 ist insofern nicht politisch, sondern versteht sich als Graswurzelansatz bei sich selbst anzufangen, um die Welt zu ändern.

Das Kultus-Parlament dagegen ist ein Denkanstoß wie die Gemeinschaft effektiv die Umwelt anders gestalten könnte, um seelen- oder artgerechter für den Menschen zu sein. Eine der Grundannahmen ist Unzulänglichkeit des menschlichen Geistes. Klingt pessimistischer als es ist und soll lediglich die Erkenntnisse von Hirnforscher aufnehmen, dass wir kaum mehr als 1,5 Gedanken gleichzeitig in unserem Bewusstsein verarbeiten können. Wir sind sozusagen nicht dafür gebaut, sämtliche auf uns einströmenden Informationen zu verarbeiten, einzuordnen oder gar dazu Stellung zu beziehen. Die „Welt“ ist insofern immer größer als wir – und prägt uns ständig. Man kann es formulieren als „Die Umwelt formt den Menschen“ oder, mein Lieblingszitat von Käpt’n Blaubär „Wenn schlechte Dinge zu Gewohnheit werden, muss man die Verhältnisse ändern.“

Ein Kultus-Parlament wäre dazu ein geeignetes Mittel. Da es hierfür noch keine eigene Seite gibt, ich aber zeitnah eine Diskussionsplattform einrichten will, ist dieses Forum auf dieser Seite entstanden.

Private Freiheit und Seelenheil

Die Hierarchie ist natürlich – und so ist es im Grundgesetz auch redaktionell vorgesehen:

  1. Seelenheil ist zunächst Selbst-Verantwortung.
  2. Und die Aufgabe der Staatsgewalt ist es, diese Freiheit, und dazu gehört auch die Religionsfreiheit, zu schützen. Zu diesem Schutz gehört der Schutz der Privatsphäre. Zu diesem Schutz gehört auch die Gewaltenteilung und dass ein Akteur wie das Kultus-Parlament von den drei Staatsgewalten strikt getrennt agieren muss.

@Dopilur B schreibt völlig richtig:

eine GESUNDE Kulturelle Identität entsteht aus dem Individuum selbst, dem Einzelnen…

Das ist der Impuls der gg2-akademie, starke Menschen machen eine starke Gesellschaft.

Ich meine allerdings, dass wir als Gesellschaft im Moment dieses Individuum nicht stärken, sondern es dem Markt ausliefern. Nicht nur die Werbung benutzt immer ausgefeiltere Methoden, sondern auch die Arbeitgeber, um möglichst den ganzen Mitarbeiter mit all seiner Kreativität zu „erschließen“ . Ein Bestseller in Frankreich war Das erschöpfte Selbst: Depression und Gesellschaft in der Gegenwart (suhrkamp taschenbuch wissenschaft). Die Einschätzung der Fachleute für die Psyche unter:  www.psychosoziale-lage.de

Aber wir sind auch als Gesellschaft miteinander verbunden. Und wie wir die gemeinschaftliche Umwelt gestalten, ist auch unsere Verantwortung. Und wie wir miteinander umgehen ist ebenfalls Teil unserer Verantwortung. Wer meint jeder für sich selbst, lebt einen komischen Psychodarwinismus – Ist das Leben zu hart, bist Du zu schwach.

Das ist die Antwort auf die Frage von @Koch: Warum das über ein Kultusparlament geregelt werden muss, weil wir uns ermächtigen sollten mehr Einfluss zu nehmen!

Mit Bildungspolitik werden keine Wahlen gewonnen. Wirtschaft, innere Sicherheit, Umwelt oder Friedenspolitik sind die dominierenden Themen. Die Kultusminister der Länder arbeiten weitestgehend im Verborgenen. Der Kulturstaatsminister ebenfalls.

Meines Erachtens fehlt hier eine ausreichende demokratische Legitimierung. Nicht nur von Lehrplänen, sondern auch von schon bestehenden social marketing Aktivitäten des Staates – der Kulturstaatsminister unterstützt zum Beispiel das 500. Reformationsjubiläum. Das kann man mit der historischen Bedeutung begründen. Aber es wäre schon schön, wenn diese fehlende Trennung von Staat und Weltanschauung transparent wird und darüber diskutiert wird.

Auch Herr Bundespräsident Gauck hat meine Sympathien, aber bis auf einen Beitrag im Spiegel wurde nicht problematisiert, dass das höchste Amt im Staat ein Pastor inne hat. (Ich glaube die Frage, ob jemand Pastor war oder noch ist, ist angesichts eines erfolgten Glaubensbekenntnisses nicht wesentlich.). Ich halte die Ernennung im Ergebnis auch nicht für problematisch, aber das liegt mehr an der Schwäche der Kirche und der geringen Macht des Bundespräsidenten.

 

Staat und Eltern

@Stramm: Wieso Eltern ersetzen? Davon ist nicht die Rede. Der Staat sollte sie unterstützen wo er kann.

Aber spätestens, wenn die Kinder aus der Haustür gehen, schwindet der Einfluss der Eltern und die Sozialisation greift ein. Und wer gestaltet die Sozialisation?

Und wie viele Eltern sind überfordert? Wer in Hamburg wohnt, wird leider regelmäßig mit Todesfällen von vernachlässigten Kinder konfrontiert.

 

Staat und Kirche

@Gellert, Claudia, Graf

Wie geschrieben, bin sehr für die Trennung von Staat und Kirche. Die angebliche Trennung ist eine Täuschung ; es gibt auch kein ethisches „weißes Blatt“ – Handlungen, welche „neutral“ wären. Sogar jede Steuer enthält eine Wertung, welches Verhalten erwünscht ist („Lenkungssteuer“), oder wie man zum Verhältnis von Arm und Reich steht.

Ich bemängele daher die fehlende Öffentlichkeit und Transparenz sowie das demokratische Defizit von Staatshandeln, welches – wie die Unterstützung des Reformationsfestes – nicht nur mittelbar, sondern ganz gezielt Stellung bezieht. Wie @Steglich richtig schreibt

Ich denke schon, dass die Gesellschaft allgemein verbindliche Werte haben sollte, als Richtschnur, was ist in Ordnung und was nicht. (…) Es sollte nur endlich mal ein gesellschaftlicher Diskurs stattfinden, in welcher Welt wir leben möchten.

Genau dazu sollen die Wahlen zu diesem Kultus-Parlament dienen. Dann findet dieser Diskurs statt.

Der Ordnung halber das vollständige Zitat @Steglich schreibt auch: Ob wir dazu ein eigenes Ministerium brauchen, wage ich zu bezweifeln. Das kann sein, das wir das nicht brauchen; der Beitrag ist ein Denk-Anstoß, aber irgendwie müssen wir an Thema schon ran. Und wenn wir als Gesellschaft eine andere Lösung finden – bin ich dabei.

Kosten

@Weinert, @Teubler

Deutschland gibt im Vergleich der westlichen Ländern stark unterdurchschnittlich für Bildung aus und liegt weit unter der PISA Empfehlung. Hinzu kommt, dass es ja bestehende Einrichtungen gibt: Den Kulturstaatsminister oder den Ethikrat, welche schon bezahlt werden. Jedoch ohne demokratische Legitimierung.

Es wird viel zu wenig Geld für Bildung und Erziehung ausgegeben. Der Grund liegt meines Erachtens auch darin, dass mit diesen Themen – trotz der Lippenbekenntnisse – eben keine Wahlen gewonnen werden (s.o.).

Lobbyarbeit

@Stange: Definitiv richtig, dass durch die Wirtschaft geförderte wissenschaftliche Arbeit (think tanks) die Politik stark beeinflusst wird. Ein Grund mehr diesem Bereich mehr Öffentlichkeit zu geben, in dem gewählt wird und damit auch ein Diskurs statt findet. Das Parlament hätte mit einem angegliederten Institut seinen eigenen think tank.

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